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BOOKTOKERS: Die Diktatur der Quantität.


Verkaufen wir Literatur oder bloße Dekoration?

Gestern sah ich ein Experiment eines Booktokers, das einfach und entlarvend war: Anstatt damit zu prahlen, in einem halben Jahr 25 Bücher gelesen zu haben – eine Zahl, bei der ich mich ehrlich frage, wann diese Leute arbeiten oder ob sie außerhalb der sozialen Medien überhaupt ein Leben haben –, beschloss er, einen Ausschnitt aus einem Werk vorzulesen. Das Ergebnis war so vorhersehbar wie schmerzhaft: Es war sein meist-ignorierter Beitrag.

Dieses kleine Experiment legte den Finger in die Wunde einer sehr schmerzhaften Realität: Die Literatur entwickelt sich für viele zu einem bloßen Modeaccessoire.


Das Motto scheint zu sein: „Viel hilft viel“.

Heute scheint das Volumen der Bücher im Regal wichtiger zu sein als der bleibende Eindruck nach der Lektüre. Es gibt einen frenetischen Wettlauf um Follower und darum, das auffälligste Fantasy- oder Thriller-Cover zu besitzen. Doch wenn es an der Zeit ist, in die Tiefe zu gehen oder der Stimme eines Autors zuzuhören, scrollen die Nutzer einfach weiter. Die Aufmerksamkeit verflüchtigt sich.

Am beunruhigendsten ist, dass wir diese „Prostitution“ der Literatur professionalisiert haben. Es gibt Menschen, die Millionengeschäfte auf Fassaden statt auf Inhalten aufgebaut haben. Content Creator, die von aufstrebenden Autoren horrende Summen für eine Promotion verlangen, die selten über die ästhetische Oberfläche hinausgeht.


Von Algorithmen verdrängt

Als Autorin frage ich mich: Wo ist die Grenze? Wie lange wollen wir zulassen, dass die Quantität die Qualität verschlingt? In der Überflutung durch Lärm ist es heute wie die Suche nach der Nadel im Heuhaufen, jemanden zu finden, der auf den wahren Wert, auf das Handwerk des Schreibens und auf literarische Ehrlichkeit setzt. Aber ich glaube weiterhin, dass dies der einzige Weg ist, der es wert ist. Interessieren wir uns wirklich für Literatur, oder haben wir uns daran gewöhnt, nur noch die Hülle zu konsumieren?

Ich würde mich freuen, eure Meinung über die Richtung zu hören, die die Verlagswerbung einschlägt. Ist es an der Zeit für eine Rückbesinnung auf die Entschleunigung, oder sind wir der Tyrannei des Algorithmus ausgeliefert?


Ich freue mich auf eure Kommentare.


 
 
 

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