Das ist mir schnuppe – oder warum mir die Gurke nicht egal ist
- Paula Marabot
- 28. Mai
- 2 Min. Lesezeit

Die Tücken der wörtlichen Übersetzung
Übersetzen ist kein bloßer Austausch von Wörtern; es ist der Transfer von Kulturen. Wer Ersteres versucht und Letzteres ignoriert, erntet meist ein katastrophales oder zumindest lächerliches Ergebnis.
Nehmen wir als Beispiel einen der markantesten Ausdrücke im Spanischen: „Me importa un pepino“ (wörtlich: Das ist mir eine Gurke wert). Wir Spanischsprachigen nutzen diesen Satz mit absoluter Natürlichkeit, um klarzumachen, dass uns etwas völlig egal ist. Es gibt auch die Varianten mit der Gemüsepaprika (pimiento), dem Radieschen (rábano) oder dem Kreuzkümmel (comino). Wir nutzen sie, um einer Sache den Wert abzusprechen, ausgehend von der Annahme, dass diese Dinge klein, unbedeutend und von geringem Gewicht sind.
Das Problem entsteht, wenn man die Grenze überquert und dieselbe Logik in Nordeuropa anwenden will. Sagt man einem Deutschen wörtlich, dass einem etwas eine Gurke wert sei („Das ist mir eine Gurke wert“), bricht das sprachliche Konstrukt angesichts der Realität auf den hiesigen Märkten in sich zusammen.
Wer hier lebt, weiß, dass Gurken in diesem Land in einer ganz anderen Liga spielen. Es sind nicht die diskreten Exemplare mit abgerundeten Enden aus den mediterranen Gärten; es sind kolossale Gemüse, wie das, das ich auf dem Foto neben meinem Brillenetui halte. Ein Lebensereignis herunterspielen zu wollen, indem man ein Objekt von solch enormen Ausmaßen als Metapher nutzt, ist ein geometrischer, kultureller und visueller Widerspruch. Wie kann einem etwas egal sein, das fast so lang ist wie der eigene Arm?
Um Desinteresse auszudrücken, blickt man im Deutschen lieber Richtung Fleischertheke: Man greift auf die Wurst zurück („Das ist mir Wurst“). Die Gurke (die Gurke) hingegen ist für Beleidigungen oder Desaster reserviert: Jemanden als „Gurke“ zu bezeichnen, bedeutet, ihn als unfähig abzutun, und ein altes, schrottreifes Auto nennt man eine „alte Gurke“.
Literatur und Markenkommunikation leiden unter demselben Syndrom, wenn sie in die Falle der unreflektierten Literalität tappen. Ein Text, der seine lokalen Redewendungen verliert, verliert seine Rohheit, seine Ironie und seine Wahrheit. Er wird zu einer blutleeren Schaufensterpuppe, die niemanden berührt. Deshalb geht es nicht nur darum, das Geschriebene zu übersetzen, sondern es in einer anderen Sprache zu adaptieren und neu zu schreiben.
Am Ende bedeutet Schreiben – und Übersetzen –, zu verstehen, dass des einen Gurke des anderen Wurst ist. Und dass eine Riesengurke manchmal die beste Lektion in vergleichender Sprachwissenschaft ist, um zu begreifen, dass Sprachen weit mehr sind als nur ein Werkzeug zur Kommunikation.
Sind Sie schon einmal auf eine wörtliche Übersetzung gestoßen, die den Sinn dessen, was Sie sagen wollten, völlig verändert hat? Was ist Ihre Lieblingsredewendung, die Sie niemals Wort für Wort übersetzen würden?
Ich freue mich auf Ihre Antwort in den Kommentaren.



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