Jenseits von Etiketten: Ein authentischer Blick auf die Vielfalt
- Paula Marabot
- 27. Juni
- 2 Min. Lesezeit

Schwerer Autismus in der zeitgenössischen Literatur:
Der Fall Ich bin GROß
In der heutigen Literatur haben uns Werke wie Supergute Tage oder die sonderbare Welt des Christopher Boone das Autismus-Spektrum aus einer ganz besonderen Perspektive nähergebracht; oft konzentrieren sie sich jedoch auf das Asperger-Syndrom.
Ich bin GROß hingegen lädt uns ein, in die Welt von Andrea einzutauchen – einer Jugendlichen mit schwerem Autismus, Übergewicht und einer ungewöhnlichen Statur, deren Sicht auf die Welt ebenso rein wie unkonventionell ist.
Haben wir unsere Denkweise geändert oder nur die Worte?
Seit Jahrhunderten ist die Gesellschaft dafür verantwortlich, diese Menschen lebendig zu begraben und ihnen ihre persönliche Entfaltung zu verwehren. Die Barrieren sind nicht nur architektonischer Natur; sie liegen weder allein in der Diagnose noch in der Terminologie. Obwohl wir uns von abwertenden Begriffen (wie „behindert“ im alten, diskriminierenden Kontext) zu inklusiveren Bezeichnungen (wie „Menschen mit funktioneller Vielfalt“) weiterentwickelt haben, existiert auf der Straße, im Alltag, immer noch derselbe einschränkende und isolierende Blick auf diejenigen, die als anders wahrgenommen werden.
Auf diesem Weg werden die Unterstützung und die Präsenz ihrer Liebsten zum notwendigen Schutzschild, um zu überleben und ihren Platz in einer Welt zu finden, die nicht immer bereit ist, sie zu verstehen.
Liebe ohne Filter: Das Tabu der Intimität brechen
Der Roman beleuchtet auch die Beziehung der Protagonistin zu ihrem Freund Óscar, einem jungen Mann mit Down-Syndrom, der in einer Schreinerei arbeitet und ein erfolgreicher Maler ist. Auf den Seiten des Buches wird ihre Beziehung mit Natürlichkeit und Respekt erzählt. Wir werden sogar Zeugen ihrer ersten intimen Begegnung – ein Thema, das sowohl in der Realität als auch in der Fiktion ein Tabu darstellt.
Ein kleiner Beitrag gegen die gesellschaftliche Unsichtbarkeit
Egal, wie sehr wir versuchen, sie glauben zu lassen, sie seien weniger wichtig als der Rest, eines muss uns klar sein: Größe kennt keine Chromosomen. Oder, wie Andreas Mutter sagt: „Was dich groß macht, ist nicht deine Körpergröße, sondern das, was du durchstehst.“
Helfen wir alle gemeinsam mit, denjenigen Sichtbarkeit zu schenken, die die Gesellschaft unter Schichten medialer Oberflächlichkeit zu verbergen versucht. Ich bin GROß ist mein kleiner Beitrag dazu.
Und du? Warst du schon einmal von diesem gesellschaftlichen Maulkorb betroffen? Glaubst du, dass wir im Kampf gegen die Unsichtbarkeit wirklich vorankommen?
Ich freue mich auf deinen Kommentar.



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